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Historie
Ende der Achtziger Jahre ritt Alfa Romeo auf der Welle von Bau der limitierten Supersportwagen mit, wie es zum Bespiel Porsche mit dem 959 oder Ferrari mit dem F40 schon einige Jahre zuvor getan haben.
Das Projekt ES 30 (Experimental Sportscar, 3.0 Litre) wurde 1989 mit dem Alfa Romeo S.Z. (Sprint Zagato) ins Leben gerufen. Ziel von Alfa Romeo war es, mit einem solchen Prestigeobjekt einen Supersportwagen zu schaffen, welcher die Sportlichkeit der Marke Alfa Romeo kompromisslos darstellt. Leider hat Alfa Romeo mit diesem Projekt erst begonnen, als der Trend hin zu solchen Prestigeobjekten bereits am Abklingen war. So kam der Alfa Romeo S.Z. Zagato erst auf den Markt als die Nachfrage nach solchen Fahrzeugen wieder am abklingen war. Von 1989 bis 1991 wurden von dem limitierten Sportwagen S.Z. Zagato in den Zagato Werkshallen in Terrazzano di Rho lediglich 996 Exemplare in Handarbeit gebaut und für 102.000 DM in Deutschland in begrenzter Stückzahl angeboten.
Vorne der "R.Z." - im Hintergrund der "S.Z."
In der heutigen Zeit ist es für allermeisten schier unverständlich, was diese Handarbeit bedeutete. Die Fahrzeuge wurden mitunter wie in einer Hinterhofwerkstatt zusammengebaut. Roboter gab es so gut wie keine. S stattdessen standen die halbfertigen Fahrzeuge in Ecken und warteten auf die Komplettierung durch die Arbeiter.
S.Z.-Produktion bei Zagato
Ein paar spärliche Beleuchtungen und eine handvoll Arbeiter schafften unter diesen Bedingungen ein automobiles Kunstwerk, dessen Qualitäten sich man sicherlich nicht an den großzügigen Spaltmaßen der Kunststoffhaut messen lassen kann.
S.Z. - Schnitt durch die Karosserie
S.Z.-Produktion bei Zagato
Im Jahre 1992 begann die Produktion des Alfa Romeo R.Z. (Roadster Zagato). Ursprünglich war die offene Variante des S.Z. auf 350 Einheiten limitiert. Trotzdem wurden bis einschließlich 1993 nur zirka 278 Einheiten des R.Z. produziert. Für Alfa Romeo selbst wurden lediglich 241 Einheiten produziert. Zagato selbst hat dann noch um die 40 Fahrzeuge in Eigenregie gebaut und selbst vertrieben. Diese Fahrzeuge erscheinen auch nicht in den Produktionsbüchern von Alfa Romeo, die bei der Nummer 241 enden.
Der damalige Listenpreis in Deutschland betrug DM 140.000. Alfa Romeo Händler, die dieses Fahrzeug bestellen wollten, mussten ursprünglich eine Anzahlung von 30.000 DM leisten. Für viele eine hohe Hürde, zudem der Boom von Extremfahrzeugen und Spekulationsfahrzeugen bereits zur Markteinführung des S.Z. stark rückläufig war.
R.Z. in Schwarz/Rot
Der RZ
Die wenigsten werden den Alfa Romeo R.Z. je in freier Wildbahn zu Gesicht bekommen haben, denn er gehört mit zu den seltensten Modellen der Marke Alfa Romeo. Eine böse dreinblickende Front mit 6 kleinen Scheinwerfen und ein kleines, in die Motorhaube integriertes Scudetto ergeben das Bild einer Bestie die man bei der letzten Fütterung vergessen hat. Nicht umsonst hat dieses Fahrzeug auch den Beinamen "Il Mostro" - das Monster erhalten. Übrigens stammt das Design vom hauseigenen Centro Stile und nicht, wie vielfach angenommen, von Zagato.
R.Z.-Front
Die Frontscheibe ist sehr flach gebaut und hat den typischen Speedster-Look, der sich auch mit den beiden Höckern am Verdeckkasten wiederfindet.
Blick über den "rechten Höcker"
Gerade und harte Linien kennzeichnen das kompromisslose Design. Die extrem hohe Gürtellinie und die Heckpartie, die wie ein aus dem Vollen geschnitztes Scheunentor erscheint, ergeben einen Designmix der in jeder Hinsicht polarisiert und nur zwei Meinungen zulässt: Schön - Hässlich.
"Krasses" Heck
Das Coupé S.Z. gab es ursprünglich in der Farbe Alfa Rosso 130 mit Cremefarbenen Leder. Der Roadster R.Z. hingegen wurde zusätzlichen auch in den Farben Nero (601) mit rotem Leder und Giallo Ginestra (258) mit schwarzen Leder gebaut. Es gibt hingegen auch zwei Exemplare, die in Silbermetallic mit roten Leder ausgeliefert wurden.
Die sieben Rundinstrumente mit weißen Hintergrund auf schwarzen Ziffern informieren den Fahrer über Geschwindigkeit, Uhrzeit, Drehzahl, Stromspannung, Öldruck, Wassertemperatur und den Tankinhalt. Das Armaturenbrett und die Seitenverkleidung der Türen sind vollständig mit Leder bezogen während die Türpanele in Wagenfarbe gehalten sind. Dieses Cockpit - hier darf der Name noch zu Recht getragen werden - ist eine wahre Bereicherung für die Sinne.
Die "Uhrensammlung"
Der R.Z. rollt auf zweiteiligen, gelochten Speedline Leichtmetallfelgen mit der Bereifung 205/50 R16 Reifen vorne sowie 225/55 R 16 Reifen hinten.
"Die Speedlinefelge"
Die Technik stammt in den Grundzügen vom Alfa 75. Jedoch gibt es hier einige bedeutende Unterschiede, die den Charakter des ES30 entscheiden prägen. Das Fahrwerk ist vom Alfa 75 Tourenwagen IMSA abgeleitet und sorgt vorne mittels doppelter Dreiecksquerlenker und hydraulischen Teleskopstoßdämpfern (anstelle von Drehstäben), Schraubenfedern und Torsionsstabilisator für den nötigen Fahrbahnkontakt.
Hinten kommt eine De-Dion Hinterachse mit Wattgestänge und einer Feder-/Dämpferkombination zum Einsatz. Das Getriebe ist an der Hinterachse angeflanscht und verfügt über eine 25% ige Differenzialsperre. Das Fahrwerk ist vorne und hinten mittels der Koni Stoßdämpfer und einer Hydraulikpumpe um 40mm höhenverstellbar, was in erster Linie das Überfahren von Bordsteinen erleichtern soll. Das Fahren mit hochgepumpten Fahrwerk ist schon deshalb nur bis Tempo 80 erlaubt, da sich in diesem Zustand das Fahrverhalten deutlich verschlechtert. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zum Alfa 75 ist die dicker dimensionierte Hinterachse mit 1° Negativsturz und die Verwendung von aus dem Motorsport bekannten, spielfreien Unibalgelenken, die für eine noch präzisere Radführung sorgen. Erleichtert werden die Bedienkräfte der Lenkung durch eine hydraulische Servolenkung von ZF.
Das Vorwort der Betriebsanleitung spricht von einem Fahrwerk, das konstruiert worden ist um Kurvengeschwindigkeiten zu erzielen, die sonst nur im Tourenwagensport erreicht werden. Auf der Fiat eigenen Teststrecke in Balocco wurden mit den serienmäßigen Pirelli P Zero Asymetrico Querbeschleunigungskräfte von 1.4 G gemessen. Spätestens wenn man ein paar zügig gefahrene Kurven auf der Landstraße genommen hat, merkt man dass dies keine Phrase ist. Der R.Z. klebt wie das sprichwörtliche Brett auf dem Asphalt. Trotzdem bekommt man das Heck durch beherztes Gasgeben in Kurven zum Driften, was aber problemlos zu meistern ist.
Bei Autobahngeschwindigkeiten jenseits der 200 km/h herrscht absolute Souveränität: Kein Wanken, keine feuchten Hände die das 3-Speichen Momo Lederlenkrad festhalten, der R.Z. zieht dank seines niedrigen Schwerpunkts stoisch seine Bahn. Einzig die hohen Windgeräusche bei geschlossenem Verdeck nerven. Aber wer fährt den Roadster Zagato schon geschlossen?
Oben die S.Z.-Karosserie-Struktur
unten "das Chassis" mit Motor, Achsen, Aufhängungen und Getriebe.....
... bei S.Z. und R.Z. baugleich.
Was das Fahrwerk ohne Mühen leistet, schafft die Bremsanlage leider nicht. Sehr hohe Pedalkräfte stehen nur mäßigen Verzögerungswerten gegenüber. So hat das Fachblatt "Auto Motor und Sport" seinerzeit beim Coupé S.Z. einen Bremsweg mit kalter Bremse von 100 -0 von 48 Metern ermittelt. Bei warmer Bremse stand das aufregende Coupé erst nach 58 Metern. .Dabei klingen die Papierdaten des Bremssystems auf dem Papier durchaus leistungsstark: Vorne innenbelüftete Scheiben mit 284 Millimetern Durchmessern, hinten innenbelüftete Scheiben mit 250 Millimetern Durchmesser, puristisch ohne das Antiblockiersystem ABS.
Der Alfa Romeo R.Z. Zagato gab es ausschließlich in einer Motorisierung, dem aus dem Alfa 75 und 164 bekannten 3.0 V6 mit 12 Ventilen. Dank anderen Kolben und der daraus resultierenden höheren Verdichtung, einem anderen Auspuffkrümmer aus Edelstahl sowie der Motronic 4.1 hat er eine höhere Nennleistung von 207 PS.
Interessant ist auch hier wieder ein kleiner Unterschied zum Bruder S.Z. Die Leistungsangaben beim S.Z belaufen sich auf 210 PS, beim R.Z. hingegen auf 207 PS. Eine schlüssige Erklärung liegt hier nicht vor. In Kombination mit dem lang übersetzten Getriebe (Geschwindigkeit bei 1000 U/min im 5. Gang 38,1 km/h) wird eine Beschleunigung von 0-100 km/h in 7,0 Sekunden erreicht. Die angegebene Höchstgeschwindigkeit liegt bei 245 km/h was dem ES 30 lange Zeit zum Titel schnellster Serien Alfa Romeo reichte. Gerade bei diesem Fahrzeug hätte man sich eine deutlich stärkere Motorisierung gewünscht, die dem Fahrwerk und dem äußerlichen Erscheinungsbild Rechnung getragen hätten. Das Fahrwerk jedenfalls hätte locker 100 PS mehr vertragen können.
Die Chassis selbst besteht aus einem Stahlskelett, die Außenhaut aus dem Kunststoff Metaacrylharz. Vorteil dieses Materials ist - neben seiner Steifigkeit - das eine sehr ebene, glatte Fläche erzielt wird und es - entgegen herkömmlichen Kunststoffen zu keinen Verspiegelungen kommt Somit wurde das Leergewicht auf 1.380 Kilogramm begrenzt Das außergewöhnlich steife Chassis ist insbesondere beim R.Z. zu spüren, der sich selbst auf Straßen dritter Klasse kaum verwindet was selbstverständlich auch dem Fahrverhalten zugute kommt.
Heute schon ist der Alfa Romeo R.Z. Zagato ein gesuchtes Sammlerstück und wird aufgrund seiner geringeren Stückzahl zukünftig noch schwieriger zu bekommen als das Coupé S.Z. Dieser Trend dürfte auch in den nächsten Jahren fortsetzten.
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